„Ich bin ein Lichtsuchender”
Datum: 07.02.2019 - 15:04 Uhr
Ort:
Kategorie(n): Kunst & Kultur

Geboren in Sambia, groß geworden in Europa. Zwei sehr unterschiedliche Welten, in denen der Künstler Rhodrick Tayali seine Wurzeln hat. „MY ROOTS – MY COLORS“, meine Wurzeln – meine Farben, heißt deshalb auch die aktuelle Ausstellung des Wahlkölners, der 1972 in Lusaka/Sambia als Sohn von Henry Tayali zur Welt kam. Der Vater, ein national und international anerkannter Künstler, war einer der ersten Afrikaner, der unermüdlich daran arbeitete, das Ansehen von afrikanischer Kunst und Kunsthandwerk in Afrika und der Welt bekannter zu machen. Für Rhodrick Tayali war er das Vorbild schlechthin. Schon in jungen Jahren nahm er ihn bei internati-onalen Ausstellungen mit und ebnete so den Weg des Sohnes in die Kunst.

Wenn Rhodrick Tayali malt oder zeichnet, ist es für ihn das Sichtbarmachen eines inneren Ausdrucks. Seine Schaffenskraft entsteht insbesondere dann, wenn es ihm gelingt, „los zu lassen und seine Hand die Regie übernimmt“. In Jugendjahren standen für ihn die Primärfarben im Vordergrund, kräftiges Rot, Gelb und Blau. In seinen jüngeren Werken, expressionistisch mit architektonischen modernen Formen, dominieren vor allem Pastellfarben. Sie zeigen geografische Umrissen seiner Heimat, denen er Raumstrukturen der westlichen Welt zuordnet. Man erkennt ein fließendes Blau, mit dem er die weltberühmten Victoriafälle – ein Nationalheiligtum - zum Leben erweckt. Brücken ziehen sich durch das Bild, sie haben eben genau diese Funktion, die Afrikanische Landschaft mit unserer Europäischen Hochkultur zu verbinden. Neben Landschaften finden sich die wilden Tiere wider. Der Löwe, majestä-tisch, kraftvoll und erhaben. Tayali erzählt über seine Liebe zu diesen Tieren, denen er in freier Wild-bahn Auge in Auge oft schon gegenübergestanden hat. Diese Möglichkeit bietet ihm seine Wahlhei-mat freilich nicht mehr. In Köln besucht er deshalb häufig den Zoo und findet dort Kraft und Ruhe durch meditatives Betrachten.

Die Realität geografischer Landschaften und der Tiere führt uns hin zur Phantasie, die die Betrach-ter*innen unweigerlich zum Träumen einlädt. Die Seele, so sagt es Rhodrick Tayali, lernt fliegen. Die von ihm immer wieder ins Bild gesetzten Zugvögel über der Savanne Sambias stehen für die Leichtig-keit des Seins.

Der Künstler, ein Träumer, ein Lichtsuchender? Ja, wenn wir mitnehmen, dass nach den Vorstellungen Tayalis die Seele immer auf Wanderschaft ist, sich ihrer Heimat nie ganz sicher sein kann und sie bereit sein muss, in unbekanntes Land vorzustoßen. Die Ausstellung „MY ROOTS – MY COLORS“ schafft es für wahr, den Gast dort hin zu (ent)-führen, wo auch er sich neu entdecken kann.

Für Tayali ist es die innere positive Unruhe, die ihn treibt, voranzuschreiten, neue Bilder, neue Farben und Formen zu versuchen. Und wenn er dann die innere Ruhe spürt, ist er mit seinem Werk angekommen. Die Gold-Kraemer-Stiftung zeigt die Ausstellung „MY ROOTS – MY COLORS“ noch bis zum 24. Februar in ihrem inklusiven Begegnungs- und Tagungszentrum in Frechen-Buschbell.

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