2. Deutscher Blindentennis-Workshop in Köln

„Ready? Yes! Play!“ – hieß es auf dem Tennis-Court in Köln-Weiden für 40 sehende, sehbehinderte und blinde Spielerinnen und Spieler aus ganz Deutschland, die sich an insgesamt drei Workshoptagen intensiv mit der Sportart Blindentennis auseinandersetzten.

40 Tennisspieler*innen kamen nach Köln zum 2. Blindentennis Workshop.

Nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr durften sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Walls-Tennishalle Weide zum zweiten Mal über ein spannendes Programm, barrierefreie Trainingsbedingungen und regen Austausch mit Gleichgesinnten freuen.

In Kooperation mit dem Deutschen Tennis Bund, dem Deutschen Behindertensportverband, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband und der International Blind Tennis Association hatte die Gold-Kraemer-Stiftung die außergewöhnliche Sportart im Jahr 2016 erstmals offiziell in Deutschland vorgestellt. „Im letzten Jahr ging es in erster Linie darum, Blindentennis kennenzulernen. Da haben wir den Fokus bewusst auf Ball- und Schlägergewöhnung gelegt. Viele sind nach den ersten Versuchen dabeigeblieben und haben nun ein Jahr Spielpraxis. Deshalb haben wir für den 2. Workshop die Trainingsgestaltung erweitert“, erklärt Niklas Höfken, Projektleiter „Tennis für Alle“ bei der Gold-Kraemer-Stiftung.

Zum Vor- und Rückhand-Training erlebten die Spielerinnen und Spieler an verschiedenen Stationen vielseitige Trainingsschwerpunkte und unterschiedliche motorische Reize. Koordinationstraining gepaart mit sportartspezifischen Kraftübungen standen ebenso auf dem Programm wie verschiedene Variationen im Spiel mit Ball und Schläger. „Die Teilnehmer sollen Erfahrungen mitnehmen, wie es sich anfühlt, mit verschiedenen Bällen und Schlägern oder auch auf unterschiedlichen Untergründen zu spielen. Darüber hinaus steht die Orientierung und Beinarbeit auf dem Feld im Mittelpunkt“, so Höfken. Eine besondere Herausforderung stellte ein Mentaltraining dar. Durch einen erfahrenen sportpsychologischen Experten erhielten die Teilnehmenden Einblicke, wie sie ihre Konzentration und Aufmerksamkeit zielgerichtet steigern können, um zum Bespiel den Ball, der Klingelgeräusche von sich gibt, schneller und genauer zu lokalisieren.

„Es hat großen Spaß gemacht, so viele Facetten des Trainings an einem Wochenende zu erleben“, sagte Bastian Kalkau. Der Osnabrücker spielte vor seiner Erblindung bereits acht Jahre lang Tennis, hatte bis Juni allerdings über 16 Jahre lang keinen Schläger mehr in der Hand gehalten: „Ich war zunächst schon überrascht, dass ich die ersten Bälle gleich getroffen habe“, freute sich Kalkau, „das Gefühl für Ball und Schläger ist auf jeden Fall noch immer vorhanden.“ Unterstützt wurde der Workshop erneut von zwei Hochkarätern im internationalen Blindentennis. Die Britinnen Amanda Green und Odette Battarel führten die Sportart 2007 in England ein und entwickelten sie seitdem stetig weiter. Seit einigen Jahren sind die sehbehinderten Spielerinnen auch als Trainerinnen unterwegs. In Köln gaben sie die Leidenschaft für ihren Sport weiter und berichteten vom hohen Stellenwert, den Blindentennis mittlerweile in Großbritannien genießt.

„In England ist Blindentennis sehr gut organisiert und hat seinen festen Platz im Verbandswesen. So sind bei Turnieren sogar dieselben Ballkinder im Einsatz, wie in Wimbledon“, weiß Projekt-Leiter Höfken. In Deutschland genießt die junge Sportart, die in den 1980er Jahren von einem blinden japanischen Studenten erfunden wurde, diesen Stellenwert allerdings noch nicht. Dies zu ändern, ist das Ziel aller Beteiligten.

„Der DTB erkennt Inklusion als wichtiges Thema an. Dabei sind die Trainer in den Vereinen die wichtigsten Multiplikatoren, um Tennis für alle anbieten zu können“, sagt Höfken. Dementsprechend waren auch zahlreiche Trainer und Übungsleiter in Köln vor Ort, um sich im Bereich Blindentennis aus- und fortbilden zu lassen. So wie Erik Adolph. Der Tennistrainer und angehende Sonderpädagoge aus dem Saarland konnte viele neue Einblicke in eine faszinierende Sportart gewinnen: „Tennis im inklusiven Kontext ist eine klasse Geschichte. Ich habe viele nette Leute kennengelernt und nehme eine ganze Reihe von Ideen für meine Arbeit mit.“ Er beabsichtigt in Zusammenarbeit mit Vereinen, Tennisschulen oder im Rahmen von Schul-AGs Blindentennis in seiner Heimat zu etablieren.

Die Entwicklung der Sportart Blindentennis in Deutschland ist ein Projekt, das beim Löhner TC bereits seit Dezember 2016 hervorragend umgesetzt wird. Der Verein aus Ostwestfalen fungiert als „Tennis für Alle“-Partnerstandort und bietet regelmäßige Trainingseinheiten an. „Das ist ein optimales Beispiel für perfekte Inklusion in Vereinen“, lobt Höfken, der entsprechend viele Workshop-Teilnehmer aus Löhne in Köln begrüßen konnte. Darunter waren mit Cora und Enja, beide 14 Jahre, zwei der jüngsten Spielerinnen. „Es ist toll, dass man hier so viele Leute mit denselben Interessen kennenlernt. Wir sind sehr froh, dass wir Tennis bei uns zu Hause im Verein spielen können.

Eine Fortsetzung des Blindentennis-Workshops ist für 2018 bereits geplant. Neue Ziele hat sich die Gold-Kraemer-Stiftung mit ihren Sportverbandspartnern bereits gesteckt: Die Austragung von nationalen Turnieren und die Teilnahme deutscher Spielerinnen und Spieler an internationalen Wettkämpfen im Blindentennis ist für die Zukunft dieser jungen Sportart ein zentraler Entwicklungsschritt.

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