Verdienstkreuz 1. Klasse an Johannes Ruland

Bundespräsident Joachim Gauck verlieh dem Vorstandsvorsitzenden der Gold-Kraemer-Stiftung das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Wenn es Momente im Leben eines Menschen gibt, die eine solch hohe Bedeutung haben, dass man sie niemals mehr vergisst, dann sind es diese, die aus tiefstem Herzen und Überzeugung kommen. Für Johannes Ruland war der 25. November 2016 ein solches Ereignis. Im Kreise seiner Familie und Freunde, den Vertretern aus der gesamten Stiftungsgruppe sowie den Ehrengästen aus Politik, Gesellschaft, Sport und Kultur erhielt er das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Damit wurde Johannes Ruland für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement zur Förderung von Menschen mit Behinderung geehrt, das er seit 1974 als Mitglied im Vorstand der Gold-Kraemer-Stiftung und seit 2007 als ihr Vorstandsvorsitzender bis heute ausübt.

 

Johannes Ruland bekommt von Minister Rainer Schmeltzer das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.
Johannes Ruland bekommt von Minister Rainer Schmeltzer das Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht.


Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Gisbert von Abercron begrüßte die Gäste: „Der heutige Tag krönt auf ganz besondere Weise das Lebenswerk unseres Vorstandsvorsitzenden. Du, lieber Johannes, `lebst` die Stiftung, nachhaltig und überzeugend und öffnest Menschen neue Türen, damit sie ihr Leben, ihre Wünsche und Begabungen entfalten können.“ Die Überreichung der Urkunde übernahm der Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, Rainer Schmeltzer. „Es gibt heute nur ein passendes Attribut, Ihr Engagement zum Wohle der Menschen in unserem Land zu beschreiben: Es ist außergewöhnlich! Wir sind froh, Sie an unserer Seite zu haben“, so Minister Schmeltzer.

Links: Dr. Gisbert von Abercron    Rechts: Dr. Bernhard Worms
Links: Dr. Gisbert von Abercron Rechts: Dr. Bernhard Worms


Das inklusive Begegnungszentrum Alt St. Ulrich in Frechen-Buschbell bot der Verleihung einen würdigen und bedeutungsstarken Rahmen. „An einem Ort, wo Menschen unterschiedlichen Alters, Glaubens, unterschiedlicher Herkunft, Fähigkeiten und Möglichkeiten zusammenkommen, wo sie  gemeinsam Kultur und Kunst erleben und gestalten und sich auf Augenhöhe begegnen, kann die Botschaft des Tages nicht glaubwürdiger sein“, sagte Laudator Dr. Bernhard Worms, Staatssekretär a.D., langjähriges Mitglied im Vorstand der Stiftung. „Ich kenne bundesweit keine Persönlichkeit, die sich so für die Verwirklichung der UN-Behindertenrechtskonvention zu-gunsten praktizierter Inklusion einsetzt wie Johannes Ruland. Es sind  seine Persönlichkeitsstruktur und seine Authentizität, die ohne die vielen ‚Wenn‘ und ‚Aber’ zu wegweisenden Lösungen führen. Auch der Rhein-Erft-Kreis, vertreten durch den stellv. Landrat Bernhard Ripp, und die Stadt Frechen, vertreten durch Bürgermeisterin Susanne Stupp, überbrachten die Glückwünsche an den Jubilar.

Links: Bernhard Ripp         Rechts: Susanne Stupp
Links: Bernhard Ripp Rechts: Susanne Stupp


Antrieb für Johannes Ruland war, so sagt er selber überzeugt, „dass die Eheleute Kraemer nach dem schweren Verlust ihres einzigen, schwerstmehrfach behinderten Kindes, Sohn Rolf, in der Lage gewesen waren, ihr Schicksal in tatkräftige Hilfe für Eltern mit Kindern mit einer Behinderung zu wandeln.“

Johannes Ruland begann seine berufliche Laufbahn nach seinem Studium zum Diplom Betriebswirt 1962 im Juwelier-Unternehmen Kraemer, das er maßgeblich, später  als kaufmännischer Direktor, an führender Stelle mitgestaltete. Für den gebürtigen Frechener war es rückblickend der „einzig richtige Schritt“, sich dem Aufbau und der Entwicklung der Juweliergruppe sowie der Gold-Kraemer-Stiftung „mit ganzem Herzen“ zu widmen. „Wir wollen uns immer wieder bewusst machen, dass wir Dank des enorm großen wirtschaftlichen Erfolges des Stifterpaares die Möglichkeit haben, uns als Stiftung mit eigenen Leistungen und Angeboten in einem bundesweiten Netzwerk für Menschen mit Hilfebedarf zu engagieren“, so Johannes Ruland. Dabei sei es stets der Stifterwille gewesen, vor allem gesellschaftliche Strukturen nachhaltig zu verändern.


Das inklusive Pferdesport- und Reittherapiezentrum sowie das Forschungsinstitut für Inklusion durch Bewegung und Sport am ehemaligen Wohnsitz der Eheleute Kraemer in Frechen-Buschbell sind zwei herausragende Beispiele dafür. Hier weist Johannes Ruland auf die Zukunftspläne hin: „In den kommenden Jahren erweitern wir unser Konzept mit einem Zentrum für Inklusion durch Naherholung und Sport, das auf vielfältige Weise Sport, Freizeit und Gesundheit miteinander vereint.

Unter der Verantwortung von Johannes Ruland entstand in Kooperation mit wichtigen Partnern aus der Eingliederungshilfe und dem Arbeitsmarkt ein in Deutschland ein-maliges Förderprojekt für talentierte Fußballer mit geistiger Behinderung: Das Fußball-Leistungszentrum Frechen (FLZ) ist eine anerkannte Bildungseinrichtung, das erstmals den Sport als Berufswahl für betroffene junge Männer ermöglicht. Stolz ist Ruland insbesondere darauf, dass das FLZ bei der sportlichen und pädagogischen Ausbildung eng mit dem Bundesligisten 1. FC Köln zusammenarbeitet. „Wenn ich sehe, mit welcher Freude und mit welchem Selbstbewusstsein sich unsere jungen Spieler entwickeln, so wünsche ich mir, dass das Projekt auch an anderer Stelle in Deutschland Schule machen möge.“ Für den Ordensträger sind Innovation und Kooperation von entscheidender Bedeutung, um inklusive Angebote immer mehr Menschen zu ermöglichen. So öffnete die Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Deutschen Behindertensportverband und dem Deutschen Tennis Bund 2016 den Tennissport erstmals in Deutschland für blinde und sehbehinderte Menschen. Neben Köln gibt es inzwischen mit Rostock und Frankfurt drei Trainingsstandorte.

Am Herzen liegt Johannes Ruland die Inklusive Arbeit der Stiftung im Rhein-Erft-Kreis und Köln. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten und drei Neubauten stehen heute sieben hochmoderne Wohnhäuser für Menschen mit geistiger Behinderung zur Verfügung. Die sechs Paul Kraemer Häuser bieten ein pädagogisches Konzept, das den Bewohnerinnen und Bewohnern ermöglicht, in ihrem persönlichen Umfeld ihr eigenes Leben zu gestalten. Über viele Jahre hat die Stiftung unter Federführung von Johannes Ruland das Frechener Quartiersprojekt auf den Weg gebracht, das den in der Frechener Innenstadt lebenden Menschen vielfältige Kontakthilfen und Beratung bietet. Im Sommer eröffnete hier die erste Tagespflege für Menschen mit unterschiedlichem Pflegebedarf. Mit großer Überzeugungskraft - auch gegen anfängliche Bedenken seitens der zuständigen Behörden – setzte sich Johannes Ruland, noch zusammen mit den Eheleuten Kraemer, für die Errichtung eines Familienzentrums in Köln-Kalk ein, in dem über 10 verschiedene Sozialhilfeträger vielfältige Hilfen unter einem Dach anbieten. Das Haus ist ein anerkanntes Familienzentrum des Landes NRW und gilt als „Best-Practice-Beispiel“.  

Johannes und Mirjam Ruland mit Familie und Gästen im Inklusiven Begegnungszentrum Alt St. Ulrich.
Johannes und Mirjam Ruland mit Familie und Gästen im Inklusiven Begegnungszentrum Alt St. Ulrich.


„Eines wird bei einem solchen für mich besonderen Tag aber auch deutlich“, gibt der Jubilar ehrlich zu, „ich habe über all die Jahre nicht nur das große Vertrauen der Eheleute Kraemer gehabt, sondern allen voran auch das meiner Familie, meiner Frau Mirjam und meiner beiden Kinder Nina und Yorick, die mich stets unterstützt haben. Ich weiß wohl, dass sie auf Manches haben verzichten müssen. Ich bin ihnen deshalb zutiefst dankbar!“

Der heute 77jährige sieht die Ehrung als Motivation und Auftrag, die Gold-Kraemer-Stiftung im Sinne des Stifterwillens weiter in die Zukunft zu führen. Mit dem inklusiven Kunst- und Wohnquartier Brauweiler startet im Frühjahr 2017 das vielleicht herausforderndste Projekt. Auf dem Guidelplatz gegenüber der Abtei Brauweiler errichtet die Stiftung in den kommenden drei Jahren ein Kunsthaus für talentierte Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung, die an diesem Ort eine professionelle künstlerische Ausbildung in ganz unterschiedlichen Kunstsparten erfahren. Auch dieses Projekt ist einmalig in Deutschland und wird die Kunstszene um einen wichtigen inklusiven Aspekt erweitern. Die Kunst auf Augenhöhe von Menschen mit und ohne Behinderung.

Die gesamte Stiftungsgruppe wünscht ihrem Vorstandsvorsitzenden für die Zukunft die nötige Kraft, Gesundheit und Erfüllung bei seiner ehrenamtlichen Verantwortung für die Gold-Kraemer-Stiftung.

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