Geschichte der Gold-Kraemer-Stiftung

Im November 1972 errichteten die Eheleute Paul R. und Katharina Kraemer die gemeinnützige Gold-Kraemer-Stiftung zur Unterstützung von geistig und körperlich behinderten, kranken, armen und alten Menschen. Damit gaben sie ihrem sozialen Engagement, mit dem sie schon viele Jahre lang Menschen mit Behinderung geholfen hatten, einen festen Rahmen und ermöglichten zahlreiche Einrichtungen und Projekte.

Antrieb ihres Handelns war der eigene Sohn Rolf, der 1966 im Alter von nur 13 Jahren infolge einer Schwerstmehrfachbehinderung verstorben war. Um anderen Kindern ähnliches Leid zu ersparen, setzten die Eheleute Kraemer alles daran, mit ihrem enormen unternehmerischen Vermögen dort zu helfen, wo Hilfe am nötigsten war – und für Menschen mit Behinderung gab es vor 40 Jahren kaum ausreichend Angebote.

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Erste Förderungen

Noch zu Lebzeiten ihres Sohnes Rolf reifte bei Paul und Katharina Kraemer der Wunsch, anderen Betroffenen zu helfen. Ende der Fünfzigerjahre konnte von einer systematischen Unterstützung und Förderung von Familien mit behinderten Kindern noch keine Rede sein. Zwar bestanden in Deutschland bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert sogenannte Hilfsschulen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen; die Nationalsozialisten machten diese ersten Bemühungen jedoch zunichte. Die Ziele der Hilfsschulen lauteten im Dritten Reich nicht etwa Bildung und Unterstützung, sondern Beobachtung vor dem Hintergrund einer möglichen Aussonderung im Sinne des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Erst um 1960 herum, als für den Sohn der Eheleute Kraemer keine günstige Prognose mehr gestellt werden konnte, wandelte sich allmählich das Verständnis von Behinderung dahingehend, dass auch behinderte Kinder und Jugendliche ihren Möglichkeiten gemäß gefördert und ausgebildet werden können und müssen.

Die Triebfeder hinter dieser Entwicklung waren zunächst im Wesentlichen die betroffenen Eltern. Auch Paul und Katharina Kraemer engagierten sich: insbesondere beim dringend notwendigen Erweiterungsbau der neuen Kreissonderschule, die aus der „Kindertagesstätte für das behinderte Kind“ hervorgegangen war und ein Gebäude in Frechen-Buschbell, dem Wohnsitz der Eheleute, bezogen hatte. Dieser Einsatz der Eheleute Kraemer fand seine Würdigung in der Benennung der Schule nach Paul R. Kraemer – ein ungewöhnlicher Vorgang zu Lebzeiten des Namensgebers. Die Kreisverwaltung hatte der Benennung jedoch auf eindringlichem Antrag der Eltern der Förderschulkinder zugestimmt.

In den 1970er Jahren beteiligte sich das Stifterpaar am Neu- und Ausbau der Paul-Kraemer-Schule als Förderschule des Kreises für geistig behinderte Kinder und Jugendliche, denen sie beispielsweise auch die Nutzung ihrer privaten Reithalle und Pferde für therapeutische Maßnahmen ermöglichten. Ein Kindergarten, eine erste Wohnstätte für Menschen mit Behinderung sowie eine heilpädagogische Kindertagesstätte folgten und wurden im Laufe der Jahre durch drei weitere Wohnstätten, Service-Wohnanlagen für Senioren sowie ein integratives Begegnungszentrum für kulturelle Veranstaltungen ergänzt.

Regionales Engagement

Mit der Paul-Kraemer-Schule, den Kindergärten am Apostelhof und an der Römerstraße sowie der Behindertenwohnstätte in Buschbell hatte die Gold-Kraemer-Stiftung vor allem Einrichtungen für jüngere und behinderte Menschen geschaffen. Wohl vor allem vor dem Hintergrund des eigenen Älterwerdens engagierten Paul und Katharina Kraemer sich seit Anfang der Achtzigerjahre verstärkt für Senioren. Frechen brauchte, wie viele andere Kommunen auch, mehr altersgerechte Wohnungen. Barrierefreier Wohnraum stand Ende der Achtzigerjahre aber kaum zur Verfügung. Immerhin: Auf Initiative der Stadtverwaltung hatte die Arbeiterwohlfahrt ein großes Wohn- und Geschäftszentrum hinter dem neuen Rathaus errichtet und damit auch einen städtebaulichen Akzent zum Abschluss der Innenstadt nach Osten gesetzt. Als die Kosten zu explodieren drohten, erwarb kurzerhand die Gold-Kraemer-Stiftung die komplette Anlage einschließlich Tiefgarage und Ladenzeilen.

Im Laufe der Zeit etablierte sich in dem „Gold Kraemer Haus 1“ eine Mischung aus Einzelhandel, Büros und sozialen Initiativen. So sind neben einem Seniorentreff und einer Pflegestation des Lazarushilfswerks auch eine Tagespflegeeinrichtung für Kleinkinder und der Malteserhilfsdienst Frechen dort untergebracht. Mit den Maltesern verband das Ehepaar Kraemer eine lange und freundschaftliche Beziehung, die noch heute fortwirkt.

1990 und 1997 kamen zwei weitere Komplexe als „Gold Kraemer Haus 2“ und „Gold Kraemer Haus 3“ hinzu, die ebenfalls zwei wichtige Funktionen erfüllten: Städtebaulich entwickelte sich so der Platz der Deutschen Einheit auch zur Franzstraße hin zum attraktiven, in sich geschlossenen Wohnquartier. Und im Sinne der Stiftungsgründer fanden hier ältere Menschen ein Zuhause in bester Wohnlage. Heute leben in den beiden Häusern über 160 ältere Menschen.

Vielfältige Aktivitäten

Hilfe aus einer Hand und gleichzeitig gelebte Nachbarschaft und aktiver Austausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderung – diese Idee verfolgte die Stiftung mit der Errichtung des „Zentrums der Gold-Kraemer-Stiftung“ in Köln-Kalk, einem Standort, wo nach Ansicht der Stiftung Hilfe besonders erforderlich war.

Rund ein Dutzend Angebote unterschiedlicher Träger und Sozialverbände bündelte die Stiftung in ihrem 2000 eröffneten Familienzentrum. Sie ergänzen sich gut, so dass Hilfesuchende keine langen Wege auf sich nehmen müssen. Das Zentrum der Gold-Kraemer-Stiftung ist Behindertenwohnstätte und Beratungsstelle für Familien, Kinder und Jugendliche, Betreuungseinrichtung und Fortbildungsstätte, kurz: Es vereint zahlreiche wichtige Dienstleistungen für behinderte und sozial benachteiligte Menschen unter einem Dach.

Seitdem das Stifterehepaar verstorben ist und die Gold-Kraemer-Stiftung als Alleinerbin das unternehmerische und private Vermögen der Eheleute Kraemer verwaltet, wurden eine Vielzahl neuer Projekte initiiert und umgesetzt.