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„Inklusion gelingt, wenn sie im Alltag gelebt wird“

Seit gut hundert Tagen stehen Dr. Yorick M. Ruland und Günter Oelscher an der Spitze der Gold-Kraemer-Stiftung. Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember ziehen der neue Vorstandsvorsitzende und sein Stellvertreter eine erste Bilanz – und geben einen Ausblick auf künftige Schwerpunkte.

„Inklusion gelingt nur, wenn sie im Alltag gelebt wird“, sagt Dr. Yorick M. Ruland. „Unsere Aufgabe ist es, Strukturen zu schaffen, die Menschen mit und ohne Behinderung selbstverständlich zusammenbringen – im Wohnen, im Arbeiten, im Sport und in der Kultur.“

Die Gold-Kraemer-Stiftung engagiert sich seit mehr als 50 Jahren für Teilhabe und Chancengleichheit. Sie wurde 1972 von dem Frechener Unternehmerpaar Paul und Katharina Kraemer gegründet, das sein gesamtes Vermögen in den Dienst des Gemeinwohls stellte. Aus den Erträgen der Juweliergruppe Kraemer fördert die Stiftung bis heute soziale Projekte in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Bildung, Sport und Kultur – und zählt damit zu den größten privaten Stiftungen dieser Art in Deutschland.

„Ich habe die neue Aufgabe mit großem Respekt, aber auch mit Freude übernommen“, sagt Ruland. „Die Stiftung begleitet mich seit vielen Jahren, und es ist mir ein persönliches Anliegen, die Idee der Stifter fortzuführen und zugleich neue Impulse zu setzen.“

Auch Günter Oelscher, seit 2018 im Vorstand und nun stellvertretender Vorsitzender, betont die Bedeutung einer klaren Haltung: „Die Würde des Menschen ist unantastbar – dieser Satz ist für uns kein Zitat, sondern täglicher Maßstab. Inklusion bedeutet, die Gesellschaft als Ganzes im Blick zu behalten und Verantwortung zu übernehmen – für Menschen mit Behinderung, aber auch für die, die sie begleiten.“

Wie vielfältig das Engagement der Stiftung ist, zeigen die unterschiedlichen Einrichtungen: Das Zentrum für Arbeit durch Bildung und Sport (ZABS) schafft Zugänge in den Arbeitsmarkt und fördert individuelle Talente. Das kaethe:k Kunsthaus verbindet Kunst und Inklusion in kreativen Arbeits- und Begegnungsräumen. Im Pferdesport- und Reittherapiezentrum auf dem Stiftungsgelände erleben Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderung, wie Bewegung, Vertrauen und Verantwortung miteinander wachsen. Und mit dem Projekt „Tennis für alle“ setzt die Stiftung ein starkes Zeichen im inklusiven Breitensport: Hier trainieren Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam, Strukturen im Vereinssport werden nachhaltig verändert und neue Zugänge geschaffen. Diese Beispiele stehen stellvertretend für viele weitere Projekte, die Menschen auf ihrem Weg zu mehr Selbstständigkeit begleiten.

Ein besonderes Zukunftsthema ist das Wohnen. „Wohnen ist ein Grundrecht“, so Ruland. „Jeder Mensch soll dort leben können, wo und wie er möchte – mit der Assistenz, die er dafür braucht.“ Oelscher ergänzt: „Wir wollen die bestehenden Wohnangebote weiterentwickeln und zugleich neue Wege in der ambulanten Begleitung eröffnen. Selbstbestimmung und Teilhabe müssen auch beim Wohnen Realität werden.“

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung möchten Ruland und Oelscher vor allem Mut machen: „Wir sehen täglich, wie viel möglich ist, wenn Menschen mit und ohne Behinderung sich begegnen, voneinander lernen und gemeinsam gestalten“, sagt Oelscher. „Das motiviert uns, weiter neue Wege zu gehen – für gelebte Inklusion.“