Bessere Partizipation durch Bewegung im Alltag
Datum: 13.12.2018 - 13:43 Uhr
Ort:
Kategorie(n): Bildung & Forschung

Auf Einladung des Forschungsinstituts für Inklusion durch Bewegung und Sport (FIBS) kamen Ende November über 130 Akteure der Eingliederungshilfe, des Sports, der Wissenschaft und Menschen mit Beeinträchtigung zum Abschluss des Projektes „Selbstbestimmte Mobilität und Bewegung im Alltag von Menschen mit Behinderungen in betreuten Wohnformen“ (MoBA) zu einer Fachtagung in das RheinEnergieSTADION nach Köln.

Vor drei Jahren hatte das FIBS gemeinsam mit der Deutschen Sporthochschule Köln das Projekt initiiert, um neue Konzepte für alltägliche Bewegungsangebote zur Mobilitäts- und Gesundheitsförderung und Stärkung sozialer Teilhabe für Menschen mit Behinderungen zu entwickelt. Die Wissenschaftler*innen gingen der Frage nach, ob sich durch niederschwellige Bewegungs- und Sportangebote die Selbstbestimmung, Selbstständigkeit und der persönliche individuelle Aktionsradius nachhaltig verbessern lassen. Um eine praxisnahe Realisierung des Modellprojekts zu gewährleisten, kooperierte das FIBS mit sechs Trägern der Freien Wohlfahrtspflege, welche Wohnangebote für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung in unterschiedlichen Wohn- und Betreuungsformen der Eingliederungshilfe anbieten. Neben der Paul-Kraemer-Haus gGmbH, ein Tochterunternehmen der Gold-Kraemer-Stiftung, beteiligten sich die Lebenshilfe Köln e.V., die Diakonie Michaelshoven, die Evangelische Stiftung Hephata Wohnen gGmbH, der Caritasverband für die Stadt Köln e.V. sowie die Gemeinnützigen Werkstätten Köln GmbH. Bei der wissenschaftlichen Evaluation arbeitete man mit dem Institut für Bewegungs- und Neurowissenschaften der Deutschen Sporthochschule Köln zusammen.

Der Fachtag stellte die ersten Ergebnisse aus den sportmotorischen Testungen und Befragungen der Teilnehmenden vor und bot wichtige Einblicke zur Umsetzung in den Alltag. FIBS-Geschäftsführer Dr. Volker Anneken fasste die gewonnenen Erkenntnissen zusammen: „Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen in Wohneinrichtungen lassen sich deren Teilhabe und Selbstbestimmung aber auch die individuelle Lebenssituation durch regelmäßige Bewegungsangebote entscheidend verbessern.“

Eine Expertenrunde diskutierte die Ergebnisse aus wissenschaftlicher Perspektive. Beteiligt waren Prof. Dr. Markus Schäfers, Professor für Rehabilitation und Teilhabe im Sozialraumbezug an der Hochschule Fulda, Prof. Dr. Thomas Abel, stellv. Institutsleiter für Bewegungs- und Neurowissenschaft an der Deutschen Sporthochschule Köln und Dr. Vera Tillmann, wissenschaftliche Leiterin am FIBS. Mit aktiven MoBA-Teilnehmenden aus den Wohneinrichtungen der Diakonie Michaelshoven, der Stiftung Hephata und der Lebenshilfe Köln setze sich der Fachtag in einer zweiten Expertenrunde mit den Herausforderungen und möglichen Lösungen in der Praxis auseinander. Neben den MoBA-Teilnhemenden gehörten Klaus Heinen, Regionalleitung der Stiftung Hephata und Carsten Kewel, Koordinator im MoBA-Projekt und Mitarbeiter der Paul-Kraemer-Haus gGmbH zu der Expertenrunde. Hier sprachen sich alle Beteiligten dafür aus, dass die wöchentlichen kreativen Angebote, darunter zum Beispiel Tanzkurse, Kegelabende oder Fitnessangebote, aber auch die kleinen Alltagsbewegungen auch weiterhin angeboten werden sollten, um die zum Teil enormen positiven Entwicklungsprozesse weiterführen zu können.

So führten die während der 18monatigen Interventionsphase absolvierten Bewegungsangebote zu einer Verbesserung der körperlichen Aktivität, einer Steigerung der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit, einer Senkung des systolischen Blutdrucks und zu einer gesteigerten Lebensqualität.

Die Ergebnisse des dreijährigen MoBa-Projektes, sowie die gewonnenen Erkenntnisse aus der Fachtagung werden in einer Schriftenreihe und in Handlungsempfehlungen 2019 veröffentlicht. Weitere Informationen zur Fachtagung und zum Projekt finden Sie auf der Internetseite des FIBS.

Das Projekt „MoBA“ wird gefördert durch die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW.

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