Bin ich die Person, für die Du mich hältst?
Datum: 23.01.2019 - 15:31 Uhr
Ort:
Kategorie(n): Kunst & Kultur

Rund 80 Gäste wandeln neugierig und mit einem Fragebogen bewaffnet durch das inklusive Begegnungszentrum der Gold-Kraemer-Stiftung in Frechen Buschbell. Sie betrachten fotografische Werke der Ausstellung „Schubladen“, die ausdrucksstarke und farbenfrohe Portraits zeigen. Die Bilder vermitteln Stärke, Würde und Persönlichkeit von Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebens- und Alltagsbedingungen. Es sind Menschen mit und ohne Behinderung, Menschen aus Wohneinrichtungen der Gold-Kraemer-Stiftung, deren Mitarbeiter*innen oder Mitglieder und Angehörige des Rheinischen Blindenfürsorgevereins Düren. Auf den Fragebogen notieren die Besucher*innen, welche der fünf bei jedem Foto angegebenen Berufsbezeichnungen ihrer Meinung nach zutrifft.

„Wer eine Person auf einem der Portraits nicht zufällig kennt, tappt allermeist im Dunkel“, sagt die Kunstfotografin und Initiatorin der Ausstellung Meike Hahnraths. Die Idee dazu kam ihr durch typische Alltagserfahrungen, die auch jeder von uns täglich immer wieder macht und an sich beobachten kann. Wir stecken Menschen allzu schnell und häufig aufgrund äußerlich auffallender Merkmale in Schubladen. So werten und beurteilen wir Menschen in Sekundenschnelle, wenn sie zum Beispiel eine sichtbare Körperbehinderung haben. „Die Portraits möchten uns zeigen, dass alle Menschen sehr viele verschiedene Facetten haben und eben nicht in eine Schubladen passen“, erklärt Meike Hahnraths den Sinn ihrer künstlerischen Arbeit, bei der inzwischen über 200 Portraits entstanden sind. Im Rahmen mehrerer Workshops bereiten sie und ihr Team die „Foto-Models“ zunächst intensiv auf das Fotoshooting vor. Der Typ des Menschen, seine Haarfarbe und Hautfarbe - all das spielt eine entscheidende Rolle für das Styling, Make-Up und die Frisur, die in erster Linie die individuelle Persönlichkeit einer Person herausstellen möchten.

„Für die Gold-Kraemer-Stiftung ist „Schubladen“ ein ganz besonderes Projekt, was wir sehr gerne gefördert haben“, erläutert Professor Hans-Josef Deutsch, Mitglied im Vorstand der Gold-Kraemer-Stiftung. „Wir erfahren und lernen, dass wir uns immer wieder bewusst machen müssen, unserem Gegenüber offen und vorurteilsfrei zu begegnen. Dann erst gelingt auch ein echtes wertschätzendes Miteinander im Alltag. Darum geht es der Stiftung im Kern bei all ihren Aktivitäten“, so das Vorstandsmitglied weiter.

Kooperationspartner der Ausstellung ist der Rheinische Blindenfürsorgeverein 1886 Düren. „Wir erleben hier und heute den Blick auf den Menschen neu und wachsen bei diesem Prozess zusammen, weil wir erfahren, dass in unserer Verschiedenheit der Reichtum für eine lebendige Bürgergesellschaft steckt. Kein Mensch ist darin ausgeschlossen, sondern hat seinen festen Platz“, erklärt der Geschäftsführer des Blindenfürsorgevereins Dr. Hans-Joachim Zeißig. 

Die Schreibwerkstatt Blatt-Gold hat ein interessantes Interview mit der Fotografin Meike Hahnraths geführt, welches Sie hier nachlesen können.

Neugierde geweckt? Wer die Ausstellung nicht mehr live erleben kann findet die Portraits und weitere über 200 Bilder online unter www.schubladen.online.

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