Musik, die man hört und sieht
Datum: 02.07.2019 - 08:21 Uhr
Ort:
Kategorie(n): Kunst & Kultur

Es gibt Momente, die bedürfen keinerlei Worte und sind vielleicht gerade deshalb so besonders. Solche Momente gab es am Samstag, 22. Juni,  beim Chorkonzert „Auge und Ohr“ der Gold-Kraemer-Stiftung in ihrem inklusiven Begegnungszentrum. Zum vierten Mal traten dort der Kölner Gebärdenchor und der Chor Brückenschlag aus Königsdorf gemeinsam auf. Eine besondere Begegnung zweier Chöre, die demonstrierten, wie die poetische Gebärdensprache der 16 nicht hörenden Chormitgliedern des Gebärdenchores mit dem Chorgesang von Brückenschlag zu einem Klangkörper verschmolzen. Das Publikum ließ sich von diesem Zauber gerne mitreißen. Bereits nach dem ersten Titel nahm es den Hinweis der Künstler auf und klatschte in Gebärdensprache: Arme in die Höhe und mit beiden Händen winkend. Dabei entstand geradezu eine meditative Ruhe und Aufmerksamkeit, die dem Konzert über den ganzen Abend hinweg einen besonderen Glanz gab.

Dass poetische Gebärdensprache synchron zur Musik dargebracht werden kann, ist eine Besonderheit, die nur durch einen hörenden Chorleiter vollbracht werden kann. Dr. Juliane Mergenbaum baute genau diese Brücke als Chorleiterin des Gebärdenchores zur Musik von Brückenschlag und zu den Songs von Liedermacher Peter Worms. Seit 2010 tritt der Pulheimer Künstler bereits mit dem Chor auf. Bei seiner Ballade „Meine Sinfonie“ zaubert der Gebärdenchor ausdrucksstark Feuer, Glut, Ebbe und Flut in den Raum. Hier entsteht zu Liedern eine weitere Dimension, die die Energie der Musik so ausdrucksstark übermittelt, dass man die Musik beinahe erst mit den Augen wahrnimmt und erst dann mit den Ohren.

„Freunde kölscher Lieder kamen an diesem Abend ganz besonders auf ihren Kosten: Mit den Titeln „Stääne“ von den Klüngelköpp, „Stammbaum“ von den Bläck Fööss, „Minsche wie mir“ von den Höhnern“ und „Salve Colonia“ aus der Feder von Peter Worms konnte am Ende auch das Publikum die typisch kölschen Symbole und Wahrzeichen wie Dom, Rhein oder Veedel mit ein bisschen Übung in den Kirchenraum malen. „Der Titel `Auge und Ohr` kann nicht treffender gewählt sein. Hier erleben wir sehr emotional und unmittelbar, wie die Musik eine Brücke schlägt von Mensch zu Mensch. Genau das möchte die Gold-Kraemer-Stiftung mit ihrem Kulturangebot zum Ausdruck bringen“, unterstrich zum Schluss des Abends Professor Hans Josef Deutsch, Mitglied im Vorstand. Eine Neuauflage dieser besonderen Konzertreihe ist für 2020 geplant.           

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