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Selbstbestimmung und ihre Grenzen im Fokus

Mit einer lebendigen und praxisnahen Fachtagung hat die Paul Kraemer Haus gGmbH am 23. März in der Kirche Alt St. Ulrich einen intensiven Blick auf die Grenzen der Selbstbestimmung geworfen. Unter dem Titel „Musst du dich immer einmischen?“ setzten sich die Teilnehmenden, zu denen viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den eigenen Wohnangeboten gehörten, mit zentralen Fragen des beruflichen Handelns auseinander. Begleitet wurde der Tag durch den niederländischen Autor und Heilpädagogen Erik Bosch.

Bosch, dessen Ansatz „Alles ist Beziehung“ vielen Fachkräften bereits aus Literatur und Fortbildungen bekannt ist, führte mit klaren Thesen, eindrücklichen Beispielen und dialogorientierten Sequenzen durch den Tag. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Selbstbestimmung verantwortungsvoll begleitet werden kann – und wo Grenzen liegen, an denen Fachkräfte Haltung zeigen und eingreifen müssen.

Anhand konkreter Fallbeispiele aus dem Alltag, etwa zu Lebensplanung, Ernährung oder Sicherheit, wurden gemeinsam ethische Dilemmata sichtbar gemacht. Eine besondere Rolle spielte die Methodik des hermeneutischen Kreises, mit der die Perspektive von Klientinnen und Klienten bewusst eingenommen und reflektiert werden kann. Übungen in kleinen Gruppen zeigten, wie dieses Instrument in Betreuungsteams zu mehr Klarheit und gemeinsamen Entscheidungen beitragen kann.

Ebenso wurde die Bedeutung von Betreuungsstilen und Grundhaltungen thematisiert: Wie gelingt professionelle Nähe? Wo beginnt Überforderung? Und welche Rolle spielen Teamkultur, Kommunikation und das Leitbild im Alltag der Begleitung?

Die Teilnehmenden nutzten den Tag intensiv für Austausch, Diskussion und Perspektivwechsel. Zum Abschluss formulierte Bosch die Einladung, Selbstbestimmung nicht als starres Prinzip, sondern als dynamisches Zusammenspiel von Verantwortung, Beziehung und Respekt zu verstehen.