Sport im Verein für alle

Für die Dritte Fußball-Herren des TuS Blau-Weiss Königsdorf war es eine bisher erfolgreiche Vorrunde in der Kreisliga D. Die Mannschaft macht sich Hoffnung auf den Aufstieg. „Der Ehrgeiz und die Motivation sind da und sportlich traue ich unserem Team in dieser Saison alles zu“, sagt Trainer Sebastian Ohme. Neben dem sportlichen Ehrgeiz zeichnet die Mannschaft aber vor allem das aus: Sie lebt Inklusion. Seit ihrer Gründung vor vier Jahren integriert sie Sportler mit Beeinträchtigungen. Der 26jährige Niklas Neusel ist einer von ihnen.

Wenn Du siehst, wie Spieler wie Niklas voll und ganz in der Mannschaft integriert sind, ist das genau, was wir als TuS erreichen wollen“, sagt Trainer Sebastian Ohme. Erfahrung mit inklusiver Vereinsarbeit hat der TuS Königsdorf schon seit fünf Jahren. Geschäftsführer Alexander Neumann berichtet vom ersten inklusiven Sportfest des Vereins, das dieser zusammen mit der Gold-Kraemer-Stiftung 2017 durchgeführt hat. „Alle unsere Abteilungen waren dabei und haben Angebote gemacht, an denen Menschen jeden Alters mit ganz unterschiedlichen Behinderungen teilgenommen haben. Auch das inklusive Sportabzeichen haben wir angeboten.“

Das Sportfest war Initialzündung für neue inklusive Strukturen im Vereinsleben: 2018 öffnete der TuS seine Sportangebote komplett für Menschen mit Beeinträchtigungen. Egal ob Eltern-Kind-Turnen, Handball oder der Akrobatikkurs. Die Fußballabteilung gründete eine inklusive Fußballmannschaft, die seither am regulären Spielbetrieb teilnimmt. Aber auch wenn alle Sportarten inzwischen offen sind, zeigt sich, dass die Angebote noch zu wenig von Menschen mit Beeinträchtigungen genutzt werden. Dazu Alexander Neumann: „Es ist für uns als Verein alleine eher schwierig die Zielgruppen zu erreichen.“

Damit mehr Vereine und sportinteressierte Menschen mit Behinderung zusammenfinden startete im Sommer 2021 das Projekt „Inklusion vor Ort“ des DJK-Sportverbandes Köln in Kooperation mit der Gold-Kraemer-Stiftung. Der Rhein-Erft-Kreis mit den Städten Frechen, Bergheim, Erftstadt und Bedburg ist eine von drei Modell-Regionen in NRW. Das Projekt – gefördert durch die Stiftung Wohlfahrtspflege NRW – bringt Sportvereine, aber auch Kommunen, Schulen, Kitas, Träger der Eingliederungshilfe und Selbsthilfegruppen zusammen, um inklusiven Sport vor Ort für alle zu ermöglichen. DJK-Projektkoordinator Manuel Beck weiß um die Herausforderungen, aber auch um die Chancen, die sich den Vereinen bieten. „Inklusion in Sportvereinen ist ein großer Mehrwert sowohl für das Leben im Verein als auch für Menschen mit Beeinträchtigung, die Sport treiben möchten. Genau hier setzen wir an. An uns können sich alle wenden, die Sportangebote schaffen wollen. Und wir helfen denjenigen, die gerne Sport treiben möchten, aber kein inklusives Angebot finden können oder unsicher sind.“ Die DJK bietet vor allem ganz konkrete Hilfen an, damit Vereine gleich zu Beginn mit Fachwissen, Fachpersonal aber auch finanziell unterstützt werden. „Es geht uns darum, die Verantwortlichen sowohl auf Ebene der Vereinsführung als auch auf der Praxisseite zu qualifizieren. Genau hier zeigt sich schnell, dass wir viele vermeintliche Hürden, Barrieren und Unsicherheiten aus dem Weg räumen können“, so Beck.   

Mit Blick auf die Vereinssituation in der Corona-Pandemie sind es vor allem die personellen und finanziellen Hürden, die überwunden werden müssen. Deshalb verfügt „Inklusion vor Ort“ neben Fachpersonal auch über finanzielle Mittel, die Vereinen für ihre Aktivitäten zur Verfügung gestellt werden. Der DJK-Sportverband wirbt deshalb nachdrücklich dafür, mit inklusiven Projekten neue Wege in der Vereinsarbeit zu beschreiten. „Inklusion vor Ort“ ist daher auf insgesamt drei Jahre angelegt und bietet regelmäßige Netzwerktreffen für einen Austausch und gegenseitige Unterstützung Interessierter.  Am Ende entscheidet der Wille der Verantwortlichen in den Organisationen darüber, dass sich Inklusion auch im Portfolio der Sportvereine widerspiegelt. Für Fußballerspieler Niklas Neusel und seine Kameraden ist dieser Weg jedenfalls ein Erfolgsweg: „Ich habe hier nicht nur auf dem Fußballplatz Freunde gefunden“, sagt er und betont, „wir werden in dieser Saison weiter vorne angreifen.“

Der DJK-Sportverband sucht Interessierte, die im Rahmen einer Umfrage ihre Erfahrungen mit inklusivem Sport weitergeben möchten. Am 12. März findet in Frechen eine Fortbildung zum Thema „Inklusion im und durch Sport“ statt. Infos und Kontakte: www.djkdvkoeln.deTel.: 0221-99808412.

Drei Fragen an DJK-Projektleiter Manuel Beck

Welche Erfahrungen konnten bisher gemacht werden?

Wir haben durch zwei Netzwerktreffen das Interesse vieler engagierter Vereinsmitarbeiter*innen wecken und wichtige Fragen identifizieren können. Mit dem KreisSportBund gab es in Kerpen-Buir einen Sport-Inklusionstag für Kinder. Außerdem erhalten wir bei unserer laufenden Online-Umfrage wichtige Rückmeldungen zu den Erfahrungen und Wünschen in den Vereinen.

Welche Frage ergeben sich vor allem?

Nachgefragt werden vorwiegend personelle sowie finanzielle Ressourcen, Übersichten über die bestehenden Sportangebote, Zugänge zur Zielgruppe sowie Kooperationen mit Kitas und Schulen.

Wie geht es weiter?

Am 12. März findet in Frechen eine niederschwellige Fortbildung zum Thema „Inklusion im und durch Sport“ statt, die sich insbesondere an Übungsleiter*innen, ‚Vereinsvertreter*innen sowie an Schulen und Kitas richtet.

Gold-Kraemer-Stiftung

Paul-R.-Kraemer-Allee 100
50226 Frechen

Tel. 02234-93303-0
Fax 02234-93303-19
info@gold-kraemer-stiftung.de

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