„Niemand sollte diskriminiert werden!“

Foto: Ingo Heine

Es gibt Menschen, die sehr herzlos sind und schimpfen über Menschen mit Behinderungen. Sie verscheuchen sie oder pampen sie an. Menschen mit Behinderung leiden darunter und fühlen sich verletzt und manche werden sogar depressiv. Menschen mit Behinderungen haben das Recht mit dabei zu sein und solllen nicht ausgeschlossen und vernachlässigt werden! Wenn das passiert, bekommt man Hilfe bei der Anti-Diskriminierungs-Stelle des Bundes. Unsere Schreibwerkstatt “Blatt-Gold” hat mit Bernhard Franke gesprochen. Er leitet das Büro in Berlin und kennt sich aus.

Welche Arten von Vorurteilen gibt es? Wie entstehen Vorurteile?

Vorurteile gibt es oft, weil Menschen zu wenig wissen. Etwas ist ihnen unbekannt oder jemand lebt anders als sie selbst, dann bilden sich manche Menschen Vorurteile. Es gibt Vorurteile, weil manche Menschen ablehnen, wie andere leben, zum Beispiel weil diese eine andere Religion oder Herkunft haben. Oder es macht sie unsicher, weil sie sich nicht auskennen damit, wie andere leben. Es gibt auch Vorurteile, bei denen jemand etwas gut meint, aber es ist dann für andere nicht gut: Zum Beispiel, wenn jemand einem Menschen mit Behinderung keine Arbeit gibt, weil diese zu anstrengend sein könnte. Aber der Mensch mit Behinderung wurde gar nicht gefragt und hätte das gut machen können.

Jeder Mensch hat Vorurteile. Warum?

Vorurteile können die Welt erst einmal leichter verständlich machen. Es ist leichter, sich zu denken: Menschen aus einem bestimmten Land verhalten sich immer so, oder Frauen sind typisch so. Das Problem ist, dass das nie stimmt: Die Welt ist nun einmal viel komplizierter. Und es schadet Menschen, wenn sie immer auf eine bestimmte Weise gesehen werden und nicht als das, was sie sind. Niemand ist zum Beispiel vor allem nur ein Mensch mit Behinderung. Er ist gleichzeitig ein Mensch, der zum Beispiel gern Witze macht, lange schläft, viel arbeitet und Hunde mag. Das macht alles genauso eine Persönlichkeit aus.

Kann man etwas gegen Vorurteile tun und was hilft dagegen? Wie kann man sie beseitigen?

Oft hilft es, andere besser kennenzulernen. Neugier ist gut! Es wäre auch gut, wenn alle sich angewöhnen könnten, ihre Vorurteile sehen und zu hinterfragen. Warum denke ich so? Gibt es dafür einen guten Grund? Meistens gibt es den nicht.

Wir erleben häufig, dass Menschen Vorurteile haben, weil wir Lernschwierigkeiten haben und uns deswegen ausgrenzen oder uns auslachen. Haben Sie einen Tipp, wie man da am besten reagiert? 

Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Wichtig ist es, sich Unterstützung zu suchen, zum Beispiel bei Freunden und Freundinnen, bei der Arbeit oder in der Familie. Wenn jemand zum Beispiel eine Arbeit nicht bekommt oder einen Vertrag, weil er oder sie behindert ist, dann kann auch ein Gesetz helfen: Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Wer benachteiligt wurde, kann Kontakt zu uns aufnehmen und wir können Tipps geben oder zum Beispiel auch dem Chef schreiben, wenn das gewünscht ist. Auch viele Organisationen für Menschen mit Behinderung helfen weiter.

Manche können Vorurteile nicht abbauen und tun Leute in Schubladen stecken. Die lassen sich nicht helfen. Warum ist das so?

Weil das die Welt so einfach macht! Aber wir denken, dass es keine hoffnungslosen Fälle gibt. Wer lange genug mit vielen verschiedenen Menschen zu tun hat, wird Vorurteile los.

Diskriminierung – wie kann man das ändern, dass alle Leute so akzeptiert werden wie sie sind, weil es kann ja nicht jeder gleich sein. 

Wer diskriminiert wird, braucht eine starke Unterstützung. Da gibt es zum einen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, das alle kennen und nutzen sollten. Wichtig ist auch, dass Menschen und ihre ganze Vielfalt viel mehr zu sehen und zu hören sind: in der Politik, in den Medien, in der ganzen Öffentlichkeit.

Haben manche eine schlechte Erziehung oder warum sind die so gemein zu den behinderten Menschen?

Wenn schon Kinder von Erwachsenen lernen, dass manche Menschen mit weniger Respekt behandelt werden können, dann ist das schlecht. Deswegen ist es wichtig, dass Kinder schon früh lernen, dass alle Menschen gleich viel wert sind. Es würde helfen, wenn schon im Kindergarten und in der Schule Kinder mit und ohne Behinderung zusammen sind. Leider ist das noch nicht überall so.

Würden die Leute anders denken, wenn man mal mit denen die Rollen tauscht und sie selber mal ausgelacht werden, beschimpft, angepampt oder ausgeschlossen? 

Bestimmt! Leider funktioniert das im echten Leben schlecht. Es gibt aber zum Beispiel Menschen mit und ohne Behinderung, die für einen Tag ihre Arbeit tauschen. Das hilft auch, sich besser zu verstehen.

Haben Sie sowas wie ein Rezept, was gegen Diskriminierung hilft?

Ein Rezept gibt es leider nicht. Wichtig ist es aber, sich nichts gefallen zu lassen. Niemand sollte Diskriminierung hinnehmen. Es sollte immer klar sein: Anderen geht es auch so, niemand ist allein damit. Und es gibt Hilfe. Die sollten betroffene Menschen unbedingt nutzen!

Gold-Kraemer-Stiftung

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