Dr. Gisbert von Abercron

In den frühen Siebzigerjahren kam ich durch meine Eltern in Kontakt mit dem Lazarus-Hilfswerk, das damals begann, sich in Deutschland und in Osteuropa zu engagieren. Wir hatten das Glück, in sicheren und geordneten Verhältnissen aufwachsen zu dürfen. Doch das Engagement prägte schon früh meine Überzeugung, etwas zurückgeben zu wollen. In meiner engeren Familie war außerdem das Thema Behinderung immer präsent. Insbesondere zu meinem behinderten Vetter habe ich ein sehr intensives Verhältnis, wir sind fast wie Geschwister aufgewachsen. Dadurch erfuhren wir zweierlei: einmal die Normalität im Umgang innerhalb der Familie, aber auch die Ausgrenzung außerhalb.

Über den Lazarus-Orden lernten wir die Eheleute Kraemer kennen, deren eigenes Kind ja das Glück meines Vetters nicht gehabt hat. Zunehmend wurde mir durch die Zusammenarbeit mit engagierten Ordensbrüdern und -schwestern in verschiedenen karitativen Hilfsprojekten bewusst, dass diese christliche Gemeinschaft sich in vielfältiger Weise der Hilfe für Menschen verschrieben hat – mit dem besonderen Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe.

Berührungsängste müssen abgebaut werden.

Die Eheleute Kraemer haben sich schon in den frühen Anfängen des Lazarus-Ordens in Deutschland mit großem Engagement und mit Nachhaltigkeit für die Ziele und Aufgaben dieser Vereinigung im Dienste der bedürftigen Menschen eingesetzt. Von diesem persönlichen Einsatz der Eheleute ließen sich besonders im Rheinland viele Menschen anstecken und unterstützten auf vielfältige Art und Weise die Hilfe für kranke, behinderte und alte Menschen. Herr und Frau Kraemer waren sehr bodenständige Menschen, die eher im Hintergrund sehr zielstrebig und erfolgreich arbeiteten. Zu einem sehr frühen Zeitpunkt haben sie begonnen, sich für die Belange besonders der behinderten Menschen einzusetzen. Mir hat die offene, herzliche und unkomplizierte Art, mit der sie sich im Kreise ihrer „Schützlinge“ bewegten, imponiert.

Wahr ist: Die Eheleute Kraemer hätten den Weg, den sie uns vorgegeben haben, nicht einschlagen müssen. Es war sicherlich die persönliche Betroffenheit, aber vor allem auch eine tiefe christliche Nächstenliebe, die sie angetrieben hat und dank derer heute Menschen mit Behinderung einen höheren Stellenwert in unserer Gesellschaft haben als etwa in der Zeit, in der ihr Sohn, mein Vetter und ich aufgewachsen sind. Da es bei vielen Menschen immer noch Berührungsängste gibt, ist es wichtig und richtig, dass die Gold-Kraemer-Stiftung stärker in die Öffentlichkeit tritt und Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenführt.

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