Dr. Tordis Horstmann

Durch meine Arbeit im Zentrum für Frühbehandlung und Früherkennung kam ich in den Kontakt zur Gold-Kraemer-Stiftung und vor allem mit dem Ehepaar Kraemer. Beide waren sehr interessiert und engagiert, wenn es um innovative Lösungen in der Integration von Menschen mit Behinderung ging. Da kamen sehr viele Ideen auf den Tisch, von denen auch zahlreiche wieder verworfen wurden, zum Beispiel ein öffentliches Schwimmbad, das von Menschen mit und ohne Behinderung genutzt werden sollte. Trotz aller Begeisterung behielten die Eheleute Kraemer aber immer den Blick für das Wesentliche und Realistische.

In unseren gemeinsamen Gesprächen war natürlich auch das Schicksal ihres eigenen Kindes ein Thema. Beide hatten erkannt, dass es in den Neunzigern völlig neuartige Behandlungs- und Hilfemethoden gab als zu ihrer Zeit. Ich glaube, dass dieses neue Wissen mehr Ansporn Ihrer unermüdlichen Arbeit war als Anlass. Sie richteten den Blick nicht zurück, sondern nach vorne in dem Willen, die so wichtigen frühen Hilfen für Kinder zu ermöglichen – und zwar alle Therapieformen für alle Kinder.

Für das Stifterehepaar waren Menschen mit Behinderung normal.

Diese Einstellung, die Dinge hinzunehmen, wie sie nun einmal waren, legten sie überhaupt auch als Maßstab für den Umgang mit Menschen mit Behinderung an. Für das Stifterehepaar waren Menschen mit Behinderung normal: Sie wollten sie nicht manipulieren, sondern ihnen nur alle Unterstützung zukommen lassen, um ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen zu können. In der gesamtgesellschaftlichen Debatte hat es diesen Paradigmenwechsel erst mit der Einführung des Inklusionsbegriffs gegeben.

Durch unsere vielfältige gemeinsame Arbeit lud mich Kaethe Kraemer zu sich nach Hause ein und eröffnete mir, dass ich in den Stiftungsvorstand berufen werden sollte. Ich glaube, ihr war sehr wichtig, die Gold-Kraemer-Stiftung für die Zeit nach ihrem Tod zu rüsten, indem Fachleute sowohl aus dem kaufmännischen wie auch dem sozial-fachlichen Bereich die Arbeit in ihrem Sinne fortsetzen sollten. Insgesamt wären Paul und Käthe Kraemer sicher sehr stolz auf die Art und Weise, wie die Stiftung heute ihr Erbe nutzt, um Menschen mit Behinderung zu helfen. Die Stiftung leistet einen sehr wichtigen Beitrag für die Planung, Schaffung und Umsetzung direkter Hilfen für behinderte Menschen und ihre Familien und hilft damit vor allem mit, die Sicht auf Menschen mit Behinderung zu verändern.

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