Johannes Ruland

Ich selbst habe Herrn Kraemer in einer Vielzahl von Gesprächen und auch noch auf dem Sterbebett versprochen, die Gold-Kraemer-Stiftung im Sinne der Eheleute fortzuführen. In ihrem Sinn: das heißt, die Unternehmensgruppe, die ihnen so sehr am Herzen lag und für die sie ein langes Leben gearbeitet haben, weiterzuentwickeln und ihren Erfolg zu sichern, damit sie auch künftig Erträge erwirtschaftet, die ohne Abzug eines einzigen Cents direkt und unmittelbar in gemeinnützige Projekte fließen.

Wenn man zurückblickt, ist es, als sei vieles erst gestern gewesen. Heute, mit dem Abstand einiger Jahre, hat sich auch mein Bild von den Eheleuten gewandelt. 45 Jahre lang waren wir fast täglich zusammen. Paul und Käthe Kraemer waren wahrlich keine einfachen Menschen, und das meine ich uneingeschränkt positiv! Sie hatten beide ihren eigenen Kopf. Als wir vor über dreißig Jahren die erste Behindertenwohnstätte der Stiftung mitten in Buschbell gebaut haben, hat es einen Sturm der Entrüstung gegeben. In Frechen hat sich dieser Sturm schon nach einem halben Jahr wieder gelegt und heute sehen wir: Was wir damals getan haben, ist genau das, was viele Jahre später, nämlich 2006, die Vereinten Nationen als „Inklusion“ definiert haben.

Es genügt nicht, wenn wir im Kleinen Inklusion leben, sondern wir müssen andere begeistern, überzeugen und mitnehmen auf diesem Weg, wir müssen voneinander lernen und mit ihnen unsere Erfahrungen teilen.

Menschen mit Behinderung mitten in die Gesellschaft zu holen, sie nicht auszugrenzen, sondern Grenzen überschreitende Angebote zu schaffen –  für jeden Buschbeller ist es völlig normal, unsere Bewohner beim Einkaufen zu treffen, bei der Post, auf dem Dorffest oder einfach nur an der Bushaltestelle. Das ist gelebte Inklusion, und ich bin stolz darauf, dass wir damit angefangen haben, lange bevor der Begriff zum Thema in der Öffentlichkeit wurde. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Gold-Kraemer-Stiftung ihren Beitrag dazu leisten kann, dass sich diese Normalität und das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung überall durchsetzen können. Daran arbeiten wir, der Vorstand, die Geschäftsführung, das Kuratorium und alle Mitarbeiter mit ganzer Kraft. Erfolg haben können wir nur im Verbund mit anderen. Deswegen lautet mein Credo: Inklusion und Kooperation. Es genügt nicht, wenn wir im Kleinen Inklusion leben, sondern wir müssen andere begeistern, überzeugen und mitnehmen auf diesem Weg, wir müssen voneinander lernen und mit ihnen unsere Erfahrungen teilen. Wir werden heute sowie auch in Zukunft Menschen mit Behinderung eine besondere Lebensqualität durch die Vielzahl unserer Leistungen bieten, die weit über eine reine Versorgung hinausgeht und die sie in großer Vielfalt am gesellschaftlichen Leben unserer Gegenwart teilhaben lässt – einer Vielfalt, auf die es ankommt!

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